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1. Warum bezahlt die Krankenkasse eine Therapie in Ihrer Dialogheilpraxis für mich nicht?

Diese Frage lässt sich aus meiner Berufslaufbahn beantworten. Das Kassensystem hätte mir bei entsprechender Beantragung einer Kassenzulassung schon aus formalen „Altersgründen“ den Zutritt zu seinen Abrechnungswegen verwehrt.

 

 

Nicht meine Lebensleistung zum Zeitpunkt der Eröffnung meiner Praxis im Jahr 2007 zählte, sondern abstrakte Zahlenwerte darüber, wieviel wie alte Therapeuten auf dem Kassenmarkt sind, wieviel in Fulda auf Anweisung nachfolgen dürfen und warum. Ich war gezwungen, meine Leistung auf dem freien Markt anzubieten. Diesen Zwang baute ich zu meiner Freiheit aus.

 

 

Der juristische Hindernislauf der „Verärztlichung“ des Psychotherapeutenberufes und die Methoden- verregelung, die geschaffen wurde, um die Zulassung als kassengebundener Therapeut zu erhalten, zerstörte meine Kreativität und Eigenverantwortung und nähme mich als juristische Geisel eines Gesundheitssystems, das systematisch psychotherapeutische Unter- versorgung für die Bevölkerung betreibt, was an deren Wartelisten, an der Anzahl der vorhandenen Therapeuten und der Methodendogmatik deutlich wird.1

 

Es gibt auch berufspolitische Gründe, die Kasse als Geldgeber meiner Therapieleistung abzulehnen als auch philosophisch-ethische Anlässe, mich der harten Welt des eigenen Risikos zu stellen, die der Welt Ihres Lebensrisikos ziemlich genau entspricht.

 

 

 

 

Der wichtigste berufspolitische Grund ist philosophisch-ethischer Natur: Es gibt keine Heilung aus dritter Hand. Niemand kann unter der Geldvormundschaft einer staatlichen Stelle an seinem Lebensglück arbeiten.

 

Die Psychotherapie als Kassenleistung schreibt dem staatlich untergeordneten Therapeuten das Therapieverfahren, die Therapiedauer und die Therapiewürdigkeit vor.

 

Ob jemand in den Genuss einer Therapie kommt, bestimmt ein medizinisch ausgerichtetes Handbuch (ICD 10), das den Therapeuten verpflichtet, vor der Therapie eine umfangreiche schriftliche Diagnostik zu erstellen, die in jedem Fall in den Akten der Krankenkasse verbleibt. Die Folge ist, dass Ihre Lebensgeschichte krankgeschrieben wird.

 

Ich stelle es jedem frei zu überlegen, ob diese Art von Diagnostik der Feststellung eines heilbaren seelischen Leidens oder aber der Legitimation der Therapiewürdigkeit der entsprechenden Person gegenüber dem staatlichen Geldgeber dient.

 

 

Steuerfinanzierte Therapie bleibt auch nach deren Beendigung für den Klienten nicht folgenlos. Jede Lebensversicherung ist berechtigt, von ihrem Antragsteller eine Schweigepflichtentbindung zu verlangen um rückwirkend zu erfahren, ob diejenige Person in den letzten zehn Jahren vor Antragstellung auf eine Lebensversicherung an einer „Gemütserkrankung“ litt.

 

Wird dieser Umstand von ärztlich-therapeutischer Seite bestätigt, und er muss bestätigt werden, gelten Sie als Versicherungsrisiko. Diese individualisierte „Spätfolge“ von Psychotherapie lehne ich ab.

 

 

Im Übrigen wird mein Verfahren, die Gesprächstherapie im Rahmen einer Familientherapie als Verfahren nicht zugelassen, obwohl ihre Wirksamkeit  z. B. in Österreich erwiesen ist. 

 

Hinter der öffentlichen Scham zu „so einem wie einem Therapeuten zu gehen“, könnte die folgenlose Wut vor den Akten stecken, in denen Ihr Leben beschrieben wurde. Was meinen Sie dazu?

 

 

1„Sollman, Ulrich: Struktureller Missbrauch von Psychotherapie durch Unterversorgung, Forum Psychotherapie, Springer-Verlag 2007, in: Platter, Guntram: Kompendium Psychotherapie, Frankfurt am Main 2006, S. 193“